12. Februar 2011

Was kostet ein Onlineshop?

Geschrieben von Jan Philipp Peter . Eingeordnet unter Anfänger Shopbetreiber, Eigenprojekt | 2 Kommentare

Aus aktuellem Anlass, der Planung unseres Eigenprojektes, haben wir uns einmal genauer mit der Frage auseinander gesetzt, mit welchen Kosten man zu rechnen hat, wenn man sich dazu entscheidet, einen Onlineshop ins Leben zu rufen.

Laut eines Online-Tools zur Datenerfassung, über das auch hier (shopanbieter.de) berichtet wird, liegt das durchschnittliche Budget für einen Onlineshop bei 9.150 Euro. (Wer meine Meinung zu diesem Tool wissen möchte, der sei auf den ersten Kommentar der verlinkten Seite verwiesen)

Eine vollständige Liste mit den zahlreichen Faktoren, die zu berücksichtigen sind, bietet bereits shopanbieter.de. Diese möchte ich ungern kopieren, sondern vielmehr durch konkrete Zahlen ergänzen.

Zunächst kümmern wir uns um die Grundlage: den Webspace bzw. Server. Hier ist die Sache natürlich klar, da wir selbst Webserver betreiben und unseren Kunden zur Verfügung stellen, werden wir auch hier auf uns selbst vertrauen. Einplanen sollte man hier für den Anfang etwa 15,00 € im Monat.

Auf diesem Server wird die Shopsoftware installiert. Hier werden wir auf jeden Fall ein open-source System einsetzen, aller Voraussicht nach Gambio, sobald es in der neuen Version (blog.gambio.de) erschienen ist und wir nach einer Prüfung nach wie vor davon überzeugt sind. Support und das Style-Edit-Tool benötigen wir nicht, grundsätzlich sei aber gesagt, dass die dafür fälligen 149 Euro keineswegs falsch investiert sind.

Es folgt dann die Individualentwicklung, also Gestaltung des Templates, besondere Module und Schnittstellen. Hier können wir fast ohne einen Blick auf die Kosten aus dem Vollen schöpfen, denn hier kann ich selbst Hand anlegen und mir alles so schneidern, wie es gefällt und wie es im späteren Betrieb möglicht wenig Arbeit verursacht. Als Richtwert sollte man für diesen Punkt aber mindestens 2.500,00 Euro einplanen, nach oben sind der Sache wie so oft keine Grenzen gesetzt.

Es folgt ein SSL-Zertifikat. Damit ist sichergestellt, dass die Daten, die zwischen Kunden und dem Shop stets verschlüsselt übertragen werden. Eigentlich ein absolutes Muss, doch leider von vielen Shopbetreibern missachtet. Kostenpunkt: etwa 75,00 Euro im Jahr (je nach Produkt auch etwas günstiger oder viel teurer).

Dann möchten wir selbstverständlich auch genau analysieren können, wie erfolgreich unser Shop ist bzw. wo noch Schwächen (z.B. Kaufabbrüche) existieren. Dafür ist ein gutes Analysetool notwendig. Wir vertrauen auf den “Shop Monitor” von Econda. Zu haben ab 49,00 Euro im Monat.

Einplanen sollte man auch ggf. anfallende Kosten für Zahlungsanbieter. Die meisten werden durch einen Anteil am Umsatz bezahlt, bei manchen sind jedoch auch pauschale Gebühren fällig. So verlangt z.B. sofortueberweisung.de nach einer Einrichtungsgebühr von 39,90 Euro nochmal 4,90 Euro im Monat (dafür aber nur 1% des Umsatzes).

Vergessen sollte man nicht die professionelle Erstellung von Rechtstexten wie AGB und Widerrufsrecht. Nachsichtigkeit in diesem Punkt kann sehr hohe Kosten verursachen. Und mittlerweile gibt es hier auch Wege, wie man – zumindest für den Anfang – den meist teuren Weg zum Fachanwalt vermeiden kann. Zahlreiche Anbieter bieten einen “AGB on demand”-Service, so z.B. der Händlerbund oder Protected Shops. Bei letzterem fallen zB. ab 14,90 € im Monat an Kosten an.

Wenn der Shop dann sozusagen “einkaufstauglich” ist, möchten wir auch eine Zertifizierung vornehmen lassen. Das bekannteste Gütesiegel ist sicherlich “Trusted Shops”. Hier sind 89,00 Euro einmalig fällig, danach für das Paket “Start” 59,00 Euro und zusätzlich (wer möchte) für die Kundenbewertungen “Pro” nochmals 19,00 Euro im Monat. (übrigens: Über “Trusted Shops” kann man auch Rechtstexte erstellen lassen, also ggf. Geld sparen)

Zum Einsatz von Kundenbewertungen rate ich, da sich deren Verwendung (und gute Bewertungen vorrausgesetzt) nicht nur in einer höhreren Conversion-Rate des Shops selbst niederschlägt, sondern auch der Einsatz von z.B. der Google Produktsuche oder Google AdWords effentiver wird.

Rechnet man mal kurz durch, kommt man pro Betriebsjahr – allein verursacht durch notwendige oder drigend empfehlenswerte Dinge – leicht auf Betriebskosten von 2.000,00 Euro. Davon ist leider auch einiges in Vorauszahlung fällig. Ein finanzielles Polster in dieser Größenordnung ist also absolut anzuraten.

Und nicht vergessen: Für die besagten 2000 Euro habe ich noch keinen individuellen Shop, noch kein gefülltes Lager, keine vorfinanzieren Marketingkampagnen, keine Programme und Schnittstellen, die mir bei der alltäglichen Arbeit helfen, … und vor allem: auch kein Geld für sich oder sogar Mitarbeiter.

2 Kommentare zu “Was kostet ein Onlineshop?”

  1. HausschuhExperte on Freitag, 25. Februar 2011 um 22:09 Uhr

    Ich warne gerne davor, sich am Anfang zu viele Gedanken um Shopsysteme, Templates, Gütesiegel usw zu machen, bevor man nicht erkannt hat, ob die Basis-Idee gut ist und unter den Mitbewerbern bestehen kann.
    Warum soll der User bei mir kaufen und nicht bei den Anderen?
    Das ist die zentrale Frage!
    Natürlich ist das Gefunden werden auch ein zentrales Thema und die Konversionrate das nächste.
    Die Idee lässt sich aber auch zunächst testen, in dem man zunächst probeweise Adwords-Werbung betreibt und dort eine andere Conversionrate misst (klicks/impressions).Eine gute Idee und ein gutes Produkt funktionieren auch unter einfachsten Voraussetzungen. Unsere ersten Kunden konnten nur per E-Mail bestellen!
    Wenn die Idee oder das Produkt funktioniert, kann man anfangen das passende Shopsystem zu suchen und sollte bedenken, dass eine gute Idee sehr schnell wachsen kann! (somit auch das Shopsystem)
    Bisher habe ich noch keine Erfahrung mit Open-Source-Systemen gemacht, da ich immer lieber den Schwerpunkt auf Online-Marketing und SEO legen wollte. Zunächst hatte ich eine Shopsoftware gewählt, die eine Kauflizenz hatte. Vorteil: einmalige Kosten Nachteil: die Software entwickelte sich langsamer als der Erfolg.
    Nun bevorzuge ich eine Mietlösung, bei der ich weiß, dass die Programmierer genügend verdienen, um Weiterentwicklungen voranzutreiben. Ich muss mich um keinen Server und sonstigen technischen Kram kümmern und habe in dem Shopsystem eine systemeigene Warenwirtschaft integriert, die auch ein Wein-Versender nutzt, der 50 Mio. € pro Jahr umsetzt.(der hat die Finanzierung der WaWi auch finanziert).
    Letztendlich muss man die Anforderungen kennen, die man an ein Shopsystem stellt, oder sollte sich von jemanden beraten lassen, der die eigenen Ideen in System-Anforderungen umwandeln kann.
    Wenn inzwischen das durchschnittlich Budget für einen Online-Shop bei ca. 9.000 Euro liegt, sollte man sich meine Gedanken und Anregungen besonders gut überlegen.

    PS: Mein Kommentar soll nicht als Gegenentwurf zu diesem Beitrag verstanden werden, sondern eher als Ergänzung mit anderen Betrachtungsweisen.

  2. Petra Hamacher on Dienstag, 1. März 2011 um 17:02 Uhr

    Hallo,
    Und vielen Dank für den ausführlichen Kommentar!
    Natürlich steht einer Shopeinrichtung zunächst die Geschäftsidee voran. Ist das Produkt nicht gut, ist es egal welches Shopsystem, welche Marketingmaßnahmen oder welche Kunden ich habe. Die werden nämlich ausbleiben :)
    Aber was man auch bedenken sollte, wenn man den Shopsystem-Wechsel mit ein kalkuliert sollte man auch zusätzliche Kosten bedenken. Denn das kann ja durchaus geschehen und das sieht man nicht auf den ersten Blick.
    Wie Sie schon sagen: Beraten lassen, Meinungen einholen und wieder beraten lassen!

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