24. Juni 2011

Das grundsätzliche Versandkostenproblem bei Marktplätzen

Geschrieben von Petra Hamacher . Eingeordnet unter Marketing | Keine Kommentare

Artikel oder Marktstand im Fokus

Ist das ein Marktstand oder mehrere? Sollte der Marktstand oder die Produkte im Fokus stehen? (Quelle: RainerSturm/pixelio.de)

Wie berichtet, ist nach einem Jahr des Versuchs der Marktplatz Shopperella leider in die Insolvenz gegangen. Die Aussagen der Gründer haben wir hier schon kurz beleuchtet. Es kam die Frage auf, was genau das Problem der Versandkosten eigentlich ist. Und wie sich dieses auf das Konzept der Marktplätze auswirkt.

Was sind Marktplätze überhaupt?

Einen Eintrag bei Wiki.de zu dem Stichwort Online-Marktplätze gibt es leider noch nicht, aber Marktplätze sind meines Erachtens Plattformen, die das Sortimentangebot verschiedener Shops in einem Shop bündeln. Wie auf dem Marktplatz bei uns um die Ecke, stehen diverse Händler an Ihren Ständen und bieten Ihre Ware feil. Wer am lautesten schreit oder – in unserem Fall – die beste Optimierung dafür betreibt, kann den Kunden überzeugen, seine Artikel zu bestellen.

Das Problem: Viele Händler bedeuten verschiedene Versandkosten

Anders als bei unseren Marktschreiern haben Online Marktplätze ein grundsätzliche Problem (neben den Vorteilen selbstverständlich). Das sind die diversen Versandkosten der einzelnen Händler! Wir können die Ware nicht in einer der schönen dünnen weißen Tüten packen und mitnehmen, wir müssen einen Bestellvorgang durchlaufen. Hierbei entstehen Kosten: Jeder Händler möchte schließlich einen Teil seines Aufwandes über die Versandkosten abdecken.

Kurzer Einschub: Man beachte, dass Versandkosten NICHT gleichzusetzen sind mit Portokosten. Online Händler unterliegen beispielsweise der Auflage einer Verpackungsverordnung. Schon deshalb entstehen Kosten. Vom Zeitaufwand für das Verpacken und Verschicken des Paketes und den Kosten für Lager, Personal und Strom mal ganz zu schweigen. Fakt ist, diese Kosten kann der Händler sich über die Versandkosten in angemessener Weise zurückholen. Der Vorteil gegenüber eines steigenden Artikelpreises: Die Versandkosten sinken ein Stückweit bei steigender Artikelanzahl pro Paket. Der Kunde zahlt also nicht immer pro Artikel die Versandkosten.

Doch zurück zur Versandkosten Problematik – Beispiele

Welche Lösungen haben sich denn die verschiedenen Marktplätze überlegt, damit der Kunde eben nicht 5 verschiedene Bestellprozesse durchlaufen muss und erst hinterher feststellt, dass er auch 5 mal Versandkosten zahlen soll?

Bei Hitmeister beispielsweise habe ich nach nur einem Klick Folgendes gefunden: “Einfach, weil Sie auch bei mehreren Verkäufern nur einen Warenkorb und Bezahlvorgang brauchen. Den Rest machen wir.” Was ist mit den Versandkosten? Zwei weitere Klicks entfernt liegt die Informationsseite über Versandkosten. Hier geht klar daraus hervor, dass jeder Verkäufer seine eigenen Kosten erstattet bekommt. Allerdings sind die Kosten gestaffelt und auch an Kategorien angepasst. So ist gewährleistet, dass der Kunde nicht zu hohe Versandkosten bezahlen muss, und das ggf. mehrmals. Im Warenkorb kann der Kunde sich dann die Versandkosten aufschlüsseln lassen. Hitmeister setzt hier aber darauf, dass die Kosten so überschaubar gehalten werden, dass es dem Endkunden gar nicht so auffällt (meiner Meinung nach), welche Kosten er wem bezahlt. Denn in den Vordergrund wird (wie bei vielen anderen Plattformen auch) das Thema Sicherheit gestellt: Ausbezahlung an Verkäufer erst nach Warenerhalt. Solche und ähnliche Fokussierungen lenken von Kosten ab und relativieren diese. Hood.de hat sogar ein eigenes Rechtsportal, damit der Kunde sich sicher fühlt.

Ein weiteres Beispiel ist der Marktplatz Tradoria, der ebenfalls nach einem Klick auf die Versandkostenseite erklärt, dass jeder Händler die Versandkosten selbst erhebt, viele Händler aber entweder direkt oder aber ab bestimmten Bestellwerten kostenfrei liefern. Tradoria Bei allen Arikeln und Preisangaben ist immer gekennzeichnet (wie es ja auch sein soll), welche Kosten den Käufer erwarten.

Yatego, um noch ein Beispiel zu nennen, wie man mit dem Versandkostenproblem umgeht, suggeriert gar nicht, dass es sich bei dem Portal um einen großen Shop handelt. Ganz klar wird nicht erst auf die Produkte sondern auf die einzelnen Shops verwiesen. Das hier dann einzelne Versandkosten anfallen, ist dann klar.

Amazon hingegen, das ist vielen bekannt, hat ein eigenes Angebot an Versandlogistik für die Händler. Hier gibt der Händler seine Ware praktisch aus der Hand. Das macht sich auch in den Versandkosten bemerkbar.

Nun, solch einen Aufwand wird kein Marktplatz ab Start aufgreifen können.

Warum klappt das mit den Versandkosten bei anderen Marktplätzen und warum wurde bei Shopperella dieses Problem zum Stolperstein?

Shopperella Infoseite

Shopperellas Infoseite (stand 26.6.11) kurz nach der Bekanntgabe der Insolvenz

Ist dann diese Problematik bei Shopperella nur eine Ausrede? Auch Shopperella verspricht die Sicherheit für den Käufer, dass das Geld erst nach Warenerhalt an den Verkäufer übergeben wird. Das Design ist hochwertig und ein Blog hat von Anfang an die Entstehung des Designs / des Marktplatzes begleitet. Ein aufwendiges Magazin, TV-Spots, ein Blog, Händlersuche, Händler- und Kundenbetreuung, einen Newsletter… All das wurde dem Shopperella Händler als kostenlose Leistung angeboten (siehe die Shopperella Infobroschüre, solange es sie noch gibt) und realisiert. Eigentlich doch alles richtig gemacht, oder? Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das Shopperella Team sich überschätzt hat! Viele Faktoren, die von guter Basisarbeit abgelenkt haben? Weitere Marketingmaßnahmen (außer etwas schwammig formuliertes SEO) wurden nämlich scheinbar nicht mit eingeplant und angeboten. Da ist beispielsweise Tradoria viel ausgereifter!

Halt! Ein weiterer Faktor fällt mir noch ein. Shopperella hat anfänglich versucht, den Marktplatz nicht zu “schließen”. Das bedeutet, dass Kunden Shopperella auch als Preissuchmaschine nutzen konnten. Wer ein Produkt bei einem CPC-Händler gefunden hatte, wurde aus dem Marktplatz in den Shop umgeleitet. Der Händler zahlte für jeden Klick (CPC), der Kunde konnte im Shop noch weiter shoppen und hätte nun nur einmal Versandkosten zu zahlen gehabt. Dieses Konzept scheint allerdings nicht aufgegangen zu sein, denn diese Variante wurde sehr schnell wieder eingestellt.

Fazit

Es scheint möglich zu sein, dass jeder Verkäufer eines Marktplatzes sein eigener Koch, seine eigenen Versandkosten erhebt. Nur jeder Marktplatz fährt eine andere Strategie: Entweder sind die Kosten begrenzt, was den Kunden beruhigt, oder andere Vorteile werden in den Vordergrund geschoben, so dass die Kosten nicht auffallen oder gerechtfertigt erscheinen. Weitere Möglichkeiten sehe ich in der Strategie der Plattformen: Stelle ich erst das Produkt dem Kunden vor und erinnere ihn später erst daran, dass es sich um diverse Verkäufer und Versandkosten handelt oder aber schicke ich ihn direkt in die einzelnen Shops auf meinem Marktplatz, so dass nur einmal Kosten anfallen?

Welches Konzept Erfolg hat, hängt aber nicht allein davon ab sondern natürlich von vielen Faktoren. Hier stehen aber noch mal alle Marktplätze und ihre Kosten in der Übersicht:

Marktplatz: Einmalige Kosten: Monatliche Kosten: Provision pro Bestellung: Weitere Kosten: Versandkosten:
Amazon 0 € 44,85€ kategorieabhängig 0 € Eigene Logistik = einmalige Versandkosten / sonst pro Händler
AuVito (Auktionshaus) 0 € 0 € 0 € Sonderoptionen (Fettschrift, Startseite usw.) pro Auktion
eBay (Auktionshaus) 0 € Shop ab 19,95€ kategorieabhängig Sonderoptionen (Fettschrift,Bilder usw.) pro Auktion, Kompromisse bei mehreren Artikeln je nach Händler
Hitmeister (Artikel im Vordergrund) 0 € 9,95€ kategorieabhängig 0 € pro Händler aber gestaffelt und je nach Kategorie
Hood (Auktionshaus) 0 € Shop ab 9,95€ 0 € Sonderoptionen (Fettschrift, Startseite usw.) pro Auktion
Kauflux
(Artikel im Vordergrund)
0 € ab 24,95€ 0 € 0 € pro Händler
MeinPaket
(Artikel im Vordergrund)
0 € 20 € (nach 12 Monaten) 0,20 + 2% + kategorieabhängig Retourengebühr: 0,20 € zzgl. 25% der Verkaufs-provision (max. 5,20 € / Retoure) pro Händler, Einheitlicher DHL Versand
Shopperella Keine Einstellungskosten für Artikel Geringe Fixkosten Ja, wie hoch erfährt man erstmal nicht. Anfänglich soger nur CPC möglich 0 € pro Händler
Tradoria
(Artikel im Vordergrund, Shops aber deutlich hervorgehoben durch VIP-Einblendung)
0 € ab 29€ 5,5% – 8,5% 0€ pro Händler
Yatego (Shops im Vordergrund) 78 € 39,9 8% 0€ pro Händler

Quelle der Liste: Teile wurden von Starthilfe-Online.de übernommen und Informationen auf den einzelnen Marktplätzen recherchiert.

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