12. Januar 2011

Sprache und Sprachgefühl

Geschrieben von Petra Hamacher . Eingeordnet unter Text Workshop | Keine Kommentare

Obwohl wir schon wieder fast Donnerstag haben, ist mir der aktuelle Webmaster Friday doch irgendwie wichtig, so dass ich das erste Mal mitmache. Es geht um die Frage nach gutem schreiben oder um die Frage, wie sehr unser Sprachgefühl schon verkürzt wurde.

Im sprachgeschichtlichen Seminar bekommt man ein Gefühl dafür, dass es nicht die eine einzige Sprache gibt, sondern Sprache eher bedeutet, einen Prozess zu begehen. Gerade unsere Deutsche Sprache hat sich und setzt sich immer noch aus vielen Dialekten zusammen, so dass es auch genauso viele Meinungen gibt, was Richtig oder Falsch angeht. Natürlich gibt es Instanzen wie den Duden oder den Wahrig, die eine Deutsche Sprache nicht in Anarchie ausarten lassen, aber die Frage, die ich mir stelle ist eher eine andere.

Haben wir noch ein Gefühl für Sprache? In einem Blogbeitrag schrieb ich, dass ich es schade finde, dass Artikelüberschriften durch ULRshorting-Tools verschlüsselt werden. Es ist doch eine Kunst, den Leser mit einem einzigen Satz, mit möglichst einprägsamer Massage zum lesen zu bewegen. Doch leider verschwindet diese Kunst – nicht nur durch die Tools.

Liest man heut zu tage eine Zeitung bekommt der aufmerksame Leser ab und an doch eine Gänsehaut. Nicht nur wegen des Inhalts sondern auch wegen der Form. Ein Beispiel: Als ich dieser Tage während einer Wartezeit ein kleines Blatt (einer nicht ganz unbekannten Zeitung) zum Thema Leben und Studium durchblätterte, fand ich einen interessanten Artikel. Zugegeben, der Autor wollte spritzig und schnelllebig wirken, aber was ich las waren abgehackte Sätze. Nein. Keine Sätze, sondern viel mehr nur einzelne Ausrufe die aus zwei bis sieben Wörtern, teilweise nur aus dem Verb oder nur aus dem Subjekt bestanden. Dies kann ein Sprachstil sein, aber auf einer Länge von 6 DinA4 Seiten ist das ganze doch etwas anstrengend und störend. Es ging um ein erstes Thema, das dadurch leider sehr „sprunghaft“ und nicht ernst genommen erschien.

Das Thema, das sehr viele Autoren ihre Texte mit möglichst vielen Anglizismen oder anderweitigen Fremdwörtern anreichern, möchte ich an dieser Stelle lieber gar nicht erst ansprechen. Wer nicht möchte, dass seine Leser den Text verstehen, der kann ruhig so weitermachen, finde ich ;)

Jeder hat seinen eigenen Sprachstil, seine eigenen Stärken und Schwächen in der Sprache. Ich selbst verfasse meine Texte aus dem Gefühl heraus, etwas sagen zu müssen. Das will ich dann auch möglichst schnell und achte dabei nicht auf jede Raffinesse, die ich im Text hätte unterbringen können und daher mag auch bestimmt nicht jeder meine Texte lesen. Aber das ist auch nicht mein Hauptanliegen. Vielmehr bitte ich die jungen Autoren und Redakteure nicht jedem Stil hinterher zu laufen. Und ganz wichtig: Wer selbst nicht viel liest, wird selbst auch keinen guten Stil entwickeln. Da ich hier nur ein negatives Beispiel genannt habe, werde ich mich aber in Zukunft bemühen, hier auch positive Texte vorzustellen! Trotzdem, ein letztes noch:

Sprache wandelt sich, aber wenn die eigene Sprache der eigenen Zeit voraus ist, betritt man die Grenze des Unverständigen.

Mehr Beiträge, die unter dem Thema Webmaster Friday veröffentlicht wurden, findet ihr hier:

webmasterfriday.de Wie wichtig nehmt ihr gut schreiben

Hinterlasse einen Kommentar