19. Juli 2011

Spielzeugverkäufer aufgepasst – Änderungen 20.7.2011

Geschrieben von Petra Hamacher . Eingeordnet unter Shop Optimierung | 1 Kommentar

Spielzeugverkäufer aufgepasst: Warnhinweise Pflicht!

Ab morgen ändern sich wieder einige Pflichten für Spielzeugverkäufer des Online Handels. Was müssen Sie beachten und wie sollte man das Spielzeug nun am besten darstellen? Wir greifen das Thema noch mal kurz vor Start auf und listen alle Hinweise, die künftig ausgegeben werden müssen.

Morgen, den 20. Juli 2009 wird eine Richtlinie (die 2009/48/EG) über die Sicherheit von Spielzeug in Kraft treten, die auch in Deutschland gelten wird. In Deutschland heißt diese Richtlinie dann “die Zweite Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz“. Diese Verordnung über die Sicherheit von Spielzeug wird abgekürzt mit “2. GPSGV”.

Doch was sagt diese Verordnung eigentlich?

die 2. GPSGV besagt, dass künftig entsprechendes Spielzeug (siehe Kategorien unten) mit entsprechenden Warnhinweisen zu versehen sind, wenn der Online-User die Chance zum Onlinekauf hat.

Eine rechtliche Definitionen des Begriffs Spielzeug

Was genau versteht die Verordnung darunter, wenn es von Spielzeug spricht?

In unserem Zusammenhang sprechen wir von neuem und nicht gebrauchtem (!) Spielzeug auf dem Markt bereitgestellt ist. Unter den Begriff Spielzeug fallen alle öffentlichen und privaten Produkte, “die ausschließlich oder nicht ausschließlich dazu bestimmt oder gestaltet sind, von Personen unter 14 Jahren zum Spielen verwendet zu werden, oder die entsprechend gestaltet sind, vgl. § 1 der 2. GPSGV.” Spielzeug ist ein weit gefasster Begriff. Daher wird hier von ausschließlich und nicht ausschließlich gesprochen. Das bedeutet, dass auch Artikel darunter fallen, die nicht im ersten Moment als Spielzeug erkennbar sind. Ein Beispiel wäre ein Schlüsselring mit einem Stofftier daran. Nicht auf den ersten aber auf den zweiten Blick kann es als Spielzeug genutzt werden. Generell gilt, die Absicht, dass ein Kind mit dem Artikel spielt, muss vom Hersteller klar erkennbar sein. Gut, diese Definition ist natürlich eine Grauzone, aber wer sicher gehen will, fragt vorher lieber nach, als hinterher abgemahnt zu werden.

Der Aspekt des Neuen ist besonders für private eBay Verkäufer wichtig, die in der Regel gebrauchte Ware anbieten. Second-Hand Verkäufer sollten sich dennoch überlegen, einige Angaben zu übernehmen. Warum, klären wir weiter unten.

Was muss ein Online Händler überhaupt tun, wenn er Spielzeug verkaufen will?

Ehe man sich über die Warnhinweise Gedanken macht, sollte man auch beachten, dass Händler sich generell in einer sogenannten Prüfpflicht befinden. Anders als andere Händler sollten Spielzeugverkäufer folgende Dinge vor dem Anbieten beachten:

  1. Ist das Spielzeug mit der erforderlichen Konformitätserklärung versehen?
  2. Liegen dem Spielzeug die erforderlichen Unterlagen sowie die Gebrauchsanleitung und Sicherheitsinformationen in deutscher Sprache bei?
  3. Hat der Hersteller (Einführer) zur Identifikation sein Spielzeug mit einer Typen-, Chargen-, Modell- oder Seriennummer oder einem anderen Kennzeichen (direkt am Spielzeug) versehen?
  4. Ebenso haben die Hersteller die Pflicht ihren Namen, ihren eingetragenen Handelsnamen oder ihre eingetragene Marke und ihre Kontaktanschrift entweder auf dem Spielzeug selbst oder, wenn dies nicht möglich ist, auf der Verpackung oder in den Unterlagen, die dem Spielzeug beigefügt sind, anzugeben.
  5. Außerdem muss die Anschrift einer zentralen Stelle angegeben sein, unter der der Hersteller kontaktiert werden kann.

Auch wenn die Punkte drei bis fünd die Hersteller in die Pflicht nehmen, so sollte man als Spielzeughändler trotzdem kontrollieren, ob das angebotene Spielzeug alle Kriterien erfüllt. Dann kommen die Hinweise.

Im übrigen gilt man als Hersteller, wenn man Produkte unter seinem Namen verkauft…

Welche allgemeinen Warnhinweise sind nun ab sofort auch im Online Shop sichtbar darzustellen?

  1. Ein erforderliches Mindest- oder Höchstalter sollte angegeben sein, wenn sonst Gefahren entstehen! Angaben wie 2+ sind keine Warnhinweise sondern Altersempfehlungen und fallen nicht unter die Verordnung.
  2. Braucht der Konsument besondere Fähigkeiten wie alleine Sitzen oder ein Mindest- oder Höchstgewicht? Dann angeben!
  3. Welche Gefahren sind sonst mit der Benutzung verbunden? Einmal auflisten bitte!

Gibt es weitere, besondere Warnhinweise, die Online Händler beachten müssen?

Ja die gibt es! Man unterteilt das Spielzeug in 10 Kategorien, mit entsprechenden Hinweisen. Hier ist die Liste der Warnungen:

Auf Gefahren hinweisen! Die neue Verordnung für Spielzeughändler

Kategorie 1: Offensichtliche nicht geeignetes Spielzeug für Kinder unter 36 Monate.

Hier sollte entweder angebracht werden

“Achtung: Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet.” oder “Achtung: Nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet.”

Ein (ergänzendes) Piktogramm wäre ebenfalls erlaubt. Ein Hinweis auf die Gefahren, die entstehen können, sollten in der Gebrauchsanweisung stehen. Spezielles Baby-Spielzeug darf oder sollte nicht (!) mit dieser Warnung versehen werden. Aber wirklich auch nur dann, wenn das Spielzeug ausdrücklich dafür gemacht ist! Denn eigentlich gehen alle Beteiligten davon aus, dass Spielzeug für U3 Jährige Sicherheitsstandards erfüllt.

Kategorie 2: Aktivitätsspielzeug.

Darunter versteht man Rutschen, Schaukeln oder dergleichen, die im Haushalt während des Gebrauchs immer an der gleichen Stelle bleiben. Hier sollte angebracht werden

“Achtung: Nur für den Hausgebrauch”.

 Kategorie 3: Funktionelles Spielzeug

Wie zum Beispiel maßstabsgetreue Nähmaschinen oder Küchen für Kinder. Diese sollten mit dem Hinweis

“Achtung: Benutzung unter unmittelbarer Aufsicht von Erwachsenen.”

Kategorie 4: Chemisches Spielzeug

Alle Chemie-Baukästen oder ähnliches erhalten den Hinweis: “Achtung: Nicht geeignet für Kinder unter … Jahren [*]. Benutzung unter Aufsicht von Erwachsenen.”

Hiweis für Roller: Nur mit Helm und nicht auf Straßen

Kategorie 5: Mobile Spielzeuge

Wie beispielsweise Rollschuhe, Schlittschuhe, Roller, Inliner oder Skate-Boards benötigen den Hinweis

“Achtung: Mit Schutzausrüstung zu benutzen. Nicht im Straßenverkehr zu verwenden.”

Kategorie 6: Wasserspielzeug

Bitte mit dem Hinweis

“Achtung: Nur im flachen Wasser unter Aufsicht von Erwachsenen verwenden.”

Kategorie 7: Spielzeug in Lebensmitteln

Dieser Teil der Verordnung richtet sich auch an Lebensmittel-Händler. Denn sobald ein Lebensmittel mit Spielzeug (im inneren oder anbei) verkauft wird, wird folgender Hinweis fällig

“Achtung: Enthält Spielzeug. Beaufsichtigung durch Erwachsene empfohlen.”

Kategorie 8: Imitation von Schutzmasken oder -helmen

Diese Artikel erhalten den Hinweis

“Achtung: Dieses Spielzeug bietet keinen Schutz.”

Kategorie 9: Spielzeug für Wiegen, Kinderbetten oder Kinderwagen

Wenn dieses Spielzeug mittels Schnüren, Bändern, elastischen Bändern oder Gurten befestigt zu werden, muss folgender Warnhinweis folgen

“Achtung: Um mögliche Verletzungen durch Verheddern zu verhindern, ist dieses Spielzeug zu entfernen, wenn das Kind beginnt, auf allen vieren zu krabbeln.”

Kategorie 10: Verpackung für Duftstoffe in Brettspielen für den Geruchsinn, Kosmetikkoffern und Spielen für den Geschmacksinn

Solche Brettspiele oder Kosmetikkoffer müssen auf Allergien hinweisen

“Achtung: Enthält Duftstoffe, die Allergien auslösen können.”

 

Warnhinweise müssen im Übrigen in Deutschland auch auf Deutsch verfasst sein und müssen mit dem Wort “Achtung” beginnen (einmal pro Liste reicht hier aber).

Wie kann ich diese Hinweise am besten einbauen?

Die Warnhinweise sollten beim Produkt sichtbar gemacht werden. Am besten ab dem Moment, wo ein Konsument die Chance hat, das Produkt per Warenkorb-Klick zu kaufen. Am komfortabelsten ist es, wenn der Adminbereich des Shopsystems natürlich bei der Artikelübersicht schon passende Häkchen für den jeweiligen Hinweis bereit hält. Diese Lösung haben wir beispielsweise in einem Gambio Shop  schon umgesetzt.

Das ist natürlich der Vorteil von OpenSource Lösungen. Aber andere Shops sollten nicht verzweifeln und diese Hinweise heute noch in die Artikelbeschreibungen eintragen.

Was bringen mir die Warnhinweise noch?

Neben einer gewissen (oder eventuellen) Abmahnsicherheit bringen solche Warnhinweise auch entsprechendes Kundenvertrauen. Ich selbst spreche da aus Erfahrung, wenn ich behaupte, Mütter lieben es, wenn sich jemand Sorgen um ihr Kind macht. Zeigen Sie Interesse an der Sicherheit von Spielzeug! Das zeugt von ihren (hoffentlich) ehrlichen Absichten. Daher bin ich der Meinung, dass, richtiger Gebrauch vorausgesetzt, auch Second-Hand Verkäufer durchaus Warnhinweise anbringen könnten.

Und nun, schnell noch alle Spielzeuge kontrollieren, ehe ab Morgen wieder Anwälte nach Fehlverhalten suchen…

 

Hinweis: Wir haben uns bei der Recherche in weiten Teilen an den Artikel der IT-Rechtskanzlei (hier erhalten Sie auch noch mehr Infos) gehalten. Dennoch geben wir keine Garantie auf Vollständigkeit und Richtigkeit.

1 Kommentar zu “Spielzeugverkäufer aufgepasst – Änderungen 20.7.2011”

  1. xy on Freitag, 9. September 2011 um 23:00 Uhr

    Alles schön unübersichtlich und schwammig vom Gesetzgeber vormuliert. Da können sich die Abmahngeier ja wieder die Hände reiben !

    Es gab mal Zeiten, in denen Eltern für Ihre Kinder verantwortlich waren. Heute ists der Händler, der Hersteller oder im Zweifel der Paketbote…

    Woher sollten Eltern auch wissen, dass Playmobilautos verschlcuken nicht gesund ist !?

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