8. Juni 2011

Warum komplette Relaunchs keine gute Idee sind

Geschrieben von Petra Hamacher . Eingeordnet unter Shop Optimierung | 3 Kommentare

In den letzten Tagen und schon fast Wochen ist mir immer mehr ein Thema aufgefallen: Der Relaunch von Webseiten. Bisher galt die Meinung, veraltete Webseiten benötigen ein neues Design! Koste es, was es wolle. Doch ich freue mich, berichten zu können, dass der Trend wohl wieder in eine andere Richtung dirigiert: A/B Tests oder nur Teil-Relaunch.
Wir fassen einmal kurz zusammen, warum ein kompletter Relaunch im Web 2.0 einfach keine gute Idee mehr ist und warum wir das als Agentur sagen können, ohne Angst vor Kundenverlust zu haben!

Wie kommt man auf die Relaunch Idee?

Ganz einfach, die bestehende Webseite ist veraltet! Man selbst hat neue Shops, andere Webseiten und Blogs entdeckt, die viel schöner sind als der eigene: Mehr Funktionen, besseres Design, eben das sogenannte Web 2.0. Schon sucht man sich jemanden, der ein neues Design anbieten kann, vielleicht auch direkt mit neuer Shop-Software? Die eigene ist ja doch nicht das Wahre.

Oder aber man wird von Agenturen auf das Design angesprochen: “Ihre Webseite ist veraltet, kein Standard mehr, keine Barrierefreiheit mehr. Wir sollten was ändern! Ihr Invest wird sich danach schnell wieder amortisiert habe. Mit Sicherheit. Die neue Shop Software sorgt für besseres Feeling!” Solche Kaltakquise-Anrufe kennt wahrscheinlich jeder Onlinehändler.

Welches Argument auch immer, wir lassen uns von der Idee, etwas neu zu gestallten schnell beeinflussen und stimmen zu. Für Webseiten und Blogs ist ein kompletter Relaunch schon keine gute Idee (Blogger: Lest den Artikel bei Blog-Optimieren), warum aber gerade Online Shops darunter leiden, hat noch tiefergehende Gründe:

Grund 1: Der Schock für die Kunden

Stammkunden kann man natürlich von langer Hand darauf vorbereiten, dass sich eine Veränderung anbahnt. Newsletter, Marketingaktionen und ein Countdown können jeden Besucher und Kunden darauf vorbereiten, dass sich bald etwas ändern wird im Shop. Doch was passiert, wenn das neue Design nicht gefällt? Es ist ein wenig so als wenn das Lieblingsrestaurant über Nacht die Inneneinrichtung von gedeckten Farben auf PINK umstellt. Das fänden Sie grauenvoll? Was glauben Sie, was Ihre Kunden dazu sagen werden?

Beispiel: Xing hat gestern Abend ein neues Design vorgestellt. Trotz monatelanger Ankündigung kann man viele schreckliche Dinge über das neue Design lesen! Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier und stört sich erstmal pauschal an jeder Form der Veränderung.

Grund 2: Was ist denn nun besser und was nicht?

Ein enormer Vorteil von kleineren Veränderungen ist die Kontrollierbarkeit! Ändere ich ein ganzes Design werde ich nie herausfinden, was genau meine Besucher nun gut an der alten Seite fanden. Denn Fakt ist, viele alte Shops in grotten schlechtem Design haben Kunden ohne Ende! Wer jetzt einfach das Design wechselt wird nie erfahren, welche Funktionen er behalten sollte und was seine Kunden an dem Shop so schätzen.

Die Abhilfe sind da A/B Tests oder ein Fahrplan für offensichtlich notwendige Veränderungen! Stichwort Controlling!

Ich will gar nicht bestreiten, dass es sinnvoll sein kann, einen Shop komplett zu erneuern. Aber man kann dies auch in kleinen Schritten tun. Ja! Ehrlich! Überraschung! Man muss nicht alles auf einmal ändern! Eine sorgfältige Analyse zeigt vorab, was gemacht werden muss. Dies kann dann nach und nach durchgeführt werden. Ebenso können kleine (oder auch große), sogenannte A/B Tests zeigen, welche Variante Kunden besser finden. Hierbei werden mehreren Gruppen an Besuchern verschiedene Designs angeboten (immer im kleinen Rahmen verändert). Die Conversion wird zeigen, welche Variante dann generell eingesetzt werden sollte. Beispiele für diese Tests gibt es ohne Ende… Einfach mal googeln.

Grund 3: Seitenstruktur und Umleitungen

Häufig wechselt mit dem Design (und erst Recht mit neuem Shopsystem) auch der Aufbau des Shops. Von der internen Linkstruktur angefangen über den Content (Überschriften) bis hin zu Meta Angaben (Seiten-Titel usw.). Wer da keine gute Checkliste hat, vergißt oft, dass ein Relaunch auch 301-Weiterleitungen braucht oder dass profane Dinge wie Seitentitel wieder neu eingetragen werden müssen. Content verschwindet plötzlich und somit rankt der Shop auch nicht mehr unter diesen Keywords.

Das Resulatat: Ranking-Verlust! Kunden Verlust! Conversion Verlust!

Suchen Sie sich etwas aus. Etwas davon wird eintreffen, wenn man voreilig ans Werk geht. Denn Suchmaschinen sind viel empflindlicher geworden als früher. Schnell wird erkannt, das hier jetzt etwas nicht in Ordnung ist. Beispiel: Früher konnte man Domains kaufen: Wenn diesse thematisch passte, war das ein Segen. Heute achtet Google darauf, ob sich der Inhaber oder die Verwendung der Domain ändert. Und schon ist jeder Wert der Domain dahin. So ungefähr kann es Ihrem Shop ergehen, wenn man plötzlich alles Bestehende abreist.

Also lieber prüfen, ob die Seitenstruktur (sowohl inhaltlich als auch im Code) nachgebildet wurde, ob tote Links entfernt wurden und ob der Content auch wieder den Ansprüchen den Suchmaschinen genügt.

Grund 4: Ein “Mach ich später”

Wer einen Shop aufbaut, der kann starten und sollte dann viel Zeit mitbringen: stetige Optimierung und langsamer Linkaufbau. Doch wer einen Relaunch plant, der sollte sehr viel Zeit vorab investieren und gut planen. Denn ein “Content? Mach ich später” wird jeder Shopbetreiber zutiefst bereuen. Ein Ranking oder Sichtbarkeitsverlust kann einen Shop so aus der Bahn werfen, dass die Conversions und damit die Einnahmen massiv in den Keller sacken. Und dann? Viele sind nach so einem Relaunch schon pleite gegangen, weil die Zeit vorher nicht gut geplant war.

Oder zweites Beispiel: “Die Funktion läuft nicht mehr im neuen Design, aber die kann ich später noch einbauen” Nein, kann man nicht! Wenn die Kunden Ihren Shop gerade wegen dieser Funktion besucht haben, dann können sie diese nicht später anpassen, dann ist es zu spät.

Grund 5: Einfach mal andere machen lassen

Natürlich hat man als Shopbetreiber andere Sorgen, als Checklisten für einen Relaunch ständig zu kontrollieren. Die Zeit fehlt und der Gedanke wandert zu einer Agentur. Aber jetzt sitzt die Angst im Nacken…

Und hier der Grund, warum wir als Agentur nicht scheuen zu sagen: Relaunchs sind keine gute Idee. Wir wissen nämlich, dass Vorsicht besser als Nachsicht ist (und selbstverständlich wissen das nicht nur wir). Wer vor dem Vertrag nachfragt, wie so ein Relaunch abläuft und wie es danach mit dem Ranking seines Shops aussieht, der ist auf der sicheren Seite. Ein wenig Grundwissen sollte man daher schon mitbringen, wenn man im eCommerce auch mit Relaunch Erfolg haben will.

Mein Apell: Nicht einfach sagen “Macht mal” sondern sich genau informieren, warum und wieso etwas gemacht wird und in welcher Reihenfolge. Mit einer guten Agentur kann man diskutieren und den richtigen Weg für sich finden – Selbst, wenn man sich dann gegen einen Relaunch entscheidet!

Fazit: Conversion Optimierung siegt über Relaunch!

 

Und ein P.S. an alle Agenturen:

Ich würde mich über diese Meinung nicht aufregen. Was ist besser: Ein Kunde, der einmal viel Geld bezahlt und danach pleite geht, weil sein Shop “abgestürzt” ist und anschließend viele böse Gerüchte über mich verbreitet?

Oder ein Kunde der monatlich immer mal wieder was für die Optimierung bezahlt, dessen Conversion steigt und der glücklich und zufrieden über mich berichtet?

Also wir lieben die zweite Sorte von Kunden! :)

3 Kommentare zu “Warum komplette Relaunchs keine gute Idee sind”

  1. Frank on Mittwoch, 8. Juni 2011 um 17:32 Uhr

    Da ist sicher etwas dran. Geht aber leider nicht immer. Größtes Problem: Veraltete Software. Wenn ein Shopsystem nicht mehr weiter entwickelt wird oder – wie in einem aktuellen Fall – ein System undokumentiert so massiv verändert wurde, dass keiner mehr durchblickt, während der alte Programmierer verschollen ist, dann hilft nur ein kompletter Relaunch mit allem, was es so mit sich bringt.

  2. Petra Hamacher on Mittwoch, 8. Juni 2011 um 18:40 Uhr

    Frank » Vielen Dank für den Kommentar!
    Natürlich ist oft die Software das Problem, aber genauso häufig wird einfach nur ein neues Design versprochen / angefragt / aufgedrängt, obwohl es unter Umständen nicht nötig ist.
    Das wollte ich gerne mal klarstellen :)

  3. Die Angst vorm Relaunch begegnen » shop-optimieren on Montag, 12. März 2012 um 11:01 Uhr

    [...] und und und. Ausführlicher haben wir schon mal unseren Senf zu diesem Thema unter Relaunch ist keine gute Idee veröffentlicht. Wer seine Angst besiegt hat und 1o Tipps für den Relaunch braucht guckt auch hier [...]

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