8. Februar 2011

Besitzt Joomla 1.6 noch eine Daseinsberechtigung?

Geschrieben von Jan Philipp Peter . Eingeordnet unter Content Management | 8 Kommentare

Vor einigen Wochen ist die finale Version des Content-Managment-Systems Joomla 1.6 erschienen. Ein System, in das ich als bekennender Joomla-Fan sehr große Hoffnungen gegeben habe.

Ich habe mir stets verboten, mit eine Beta-Version herunterzuladen, um nicht durch Fehler enttäuscht zu werden. Also wartete ich geduldig bis zur Freigabe. Doch die Enttäuschung fiel dennoch so aus, dass ich für mich und unsere Kunden wohl keine Internetprojekte auf Basis dieser Lösung realisieren möchte. Und mit dieser Meinung stehe ich auch nicht alleine (dotwired.com) da. Gerne führe ich diesen Entschluss aber noch weiter aus:

Ich habe angefangen, mich mit Joomla auseinanderzusetzten, als es noch gar nicht Joomla, sondern Mambo hieß. Das ist schon eine ganze Weile her. Damals war der Markt noch nicht voll von hochwertigen, ebenfalls open-source Alternativen. Einziges Konkurrenzprodukt, das ich in Erinnerung habe, war Typo3. Dieses war – so unterstelle ich es mal – besonders beliebt, da es so kompliziert einzurichten und zu verwalten war. Und nein, das ist kein Widerspruch. Denn für eine Agentur ist es doch gut, wenn der Kunde gar keine realistische Chance hat, sich mit der Software auseinanderzusetzen: Denn dann  kann man alles selbst übernehmen und abkassieren. Bei Joomla war das anders, hier lag die Absicht dabei, ein möglichst einfaches Content-Management-System zur Verfügung zu stellen. Und das war es zum damaligen Zeitpunkt in Relation zu anderen definitiv. Diese Erleichterung musste man aber auch mit vielen Schwächen bezahlen:

  • keine anwendbare Rechteverwaltung
  • eine starre Struktur von Content basierend auf “Bereichen” und “Kategorien”
  • wenig Flexibilität bei der Anordnung von Content
  • mangelhafte Orientierung auf Suchmaschinenoptimierung
  • fehlende Integration von mehreren Sprachen und Domains

Aber als begeisterter Joomla-User war ich von Anfang an daran gewöhnt für jede noch so kleine Anforderung neue Komponenten und Module zu installieren. Denn nichtmal so einfache Dinge wie ein Kontaktformular war vorhanden (nichtmal jetzt!). Mittlerweile habe ich ein stattliches Portfolio an Erweiterungen, die quasi jedes neue Projekt bekommt. Und ich bin sicher, dass ich damit nicht der einzige bin. Doch nichts dergleichen wurde in die Version 1.6 überführt. An einigen Stellen wurde herumgebaut, aber wirklich gute Ergebnisse lassen sich nicht erzielen. Man wird nach wie vor ohne Fremd- und Eigenentwicklungen nichtmal die einfachsten Anforderungen erfüllen können. Und selbst einige Entwickler von Erweiterungen haben mittlerweile angekündigt, dass Sie durch die schlechte Qualität von Joomla 1.6 diese nicht unterstützen wollen, sondern lieber auf eine neue, bessere, Version warten. Angesichts der vielen Fehler, die bei Installation und Verwendung auftreten, wohl auch absolut vernünftig.

Ich werde also schweren Herzens, solange es möglich sein wird, weiter auf die Version 1.5 vertrauen und mich derweil nach Alternativen umsehen. Und die werden dann nicht Joomla 1.6 oder 1.7 heißen (wie auch schon gemeldet wird). Ich kann niemandem ernsthaft klarmachen, nach kurzer Zeit schon wieder eine aufwändige Migration durchführen zu müssen. Nicht, wenn es mittlerweile viele Alternativen gibt, mit denen man auf all diese Umstände leicht verzichten kann.

Meine Entscheidung werde ich aber sicherlich hier bekanntgeben.

8 Kommentare zu “Besitzt Joomla 1.6 noch eine Daseinsberechtigung?”

  1. Design aus Goslar on Dienstag, 1. März 2011 um 16:26 Uhr

    Also, Joomla ist eigentlich ein nettes CMS, aber natürlich hat die neue Version wirklich erhebliche Schwächen.
    Ich werde auch wieder mehr mit Typo3 experimentieren, da dieses das CMS der Gegenwart und auch der Zukunft bleiben wird..

  2. Jomei on Montag, 7. März 2011 um 22:00 Uhr

    Kann ich nur bestätigen.
    Ich habe wegen der Rechteverwaltung auf 1.6 gewartet.
    Nach der Installation kommen Fatal Error, wenn sich ein neu angelegter User einloggen möchte und wenn man eine Kategorie anlegen will.
    Beim Recherchieren im Internet finde ich keinen Patch.
    So ist vernünftiges Arbeiten unmöglich.

  3. Yannick on Samstag, 7. Mai 2011 um 10:30 Uhr

    Hallo Jan,

    ich bin gerade eher zufällig auf diesen Post gestoßen. Ich als Verfechter eines schlanken Cores frage mich, was du im Core erwartet hättest damit du nicht auf Extensions zurückgreifen musst!?

    Gerade die einfache Erweiterbarkeit von Joomla! macht es doch so sexy wie es ist.

    Wie Eingangs schon erwähnt bin ich der Meinung je weniger Extensions im Core, desto besser. Ein schlankes Framework das man nach belieben erweitern kann wie man möchte ohne Balast den man nicht braucht sollte doch das Ziel sein, oder siehst du das anders?

    Lg,
    Yannick

  4. Jan Philipp Peter on Montag, 9. Mai 2011 um 09:01 Uhr

    Hallo Yannick,

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich bin nicht der Meinung, dass man komplett auf Extensions verzichten können sollte, dafür sind Projekte einfach zu unterschiedlich.

    Die Erweiterbarkeit ansich mag sexy sein, aber es kann nicht sein, dass elementare Funktionen nicht schon bereits vom Core abgedeckt werden können.

    Ich denke da z.B. konkret an so etwas wie eine Komponente für Formulare, für ein Kontaktformular z.B. (welches simpler und zuverlässiger ist als die bestehenden Entwicklungen)

    Unnötiger Balast ist das sicherlich nicht. Und gerade wenn du sagst, dass du Joomla als Framework wahrnimmst, sind doch z.B. Funktionen für Formulare Pflicht.

    JPP

  5. Manfred on Mittwoch, 22. Juni 2011 um 16:00 Uhr

    Hallo Phillip,

    bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und muss Dir glatt widersprechen.

    Also erstens gibt es ein Kontaktformular in Joomla 1.6 (Kontkat-Komponente) und zweitens kann Deine Bedenken nicht nachvollziehen.

    Gerade weil Joomla 1.6 (oder Joomla generell) fast ohne “fest verdrahtete” Funktionen/Extensions daher kommt finde ich es so attraktiv. Auf diese Weise kann jeder User/Kunde selbst entscheiden was ihm zusagt oder was ihm weniger zusagt. Auch eine Änderung zu einem späteren Zeitpunkt von Komponenten, Modulen oder Plugins ist dadurch problemlos möglich.

    Ansonsten kann ich mich dem Kommentar von Yannik nur anschließen.

    Ich habe J1.6 nun bereits seit April im produktiven Einsatz und auch schon im Kundeneinsatz. Bisher habe ich keinerlei Beschwerden erhalten, eher das Gegenteil ist der Fall.

    Also ich für meinen Teil kann nur sagen ich bleibe bei Joomla.

  6. Jan Philipp Peter on Mittwoch, 22. Juni 2011 um 16:22 Uhr

    Hallo Manfred,

    Vielen Dank auch für deinen Beitrag.

    Dass es Komponenten für Formulare gibt, weiß ich. Ich finde es nur schade, dass so etwas elementares nicht im Core berücksichtigt wurde. Wir reden hier ja nicht um etwas wie eine Bildergalerie, die auf jeden Fall modular hinzugefügt werden sollte.

    Daher kann ich das, was du mit “fester Vertratung” ansprichst, verstehen. Es geht mir nicht darum, Joomla mit möglichst vielen Funktionen auszustatten. Vielmehr ist es wünschenswert, wenn einem Entwickler durch den Core elementares Werkzeug an die Hand gegeben wird. Mit der Version 1.7 hat man ja jetzt die Engine, die sogenannte “Joomla Platform” vom eigentlichen CMS getrennt. Das war ein absolut notwendiger und begrüßenswerter Schritt (von dem man als Anwender/Kunde nicht viel merkt, als Entwickler hingegen schon).

    Und da in 2 Wochen ja bereits die final von Joomla 1.7 erscheinen soll, lohnt es sich ja fast nicht mehr, über 1.6 zu streiten ;) Mittlerweile kann man aber auch 1.6 fehlerfrei einsetzen, da gebe ich dir Recht. Wir haben zwischenzeitig auch einige kleinere Projekte damit realisiert. Meinen Beitrag schrieb ich ja im Februar und wenn du 1.6 ab April einsetzt, kann ich deine Unverständnis für meine “Frustration” nachvollziehen. Mittlerweile ist es wirklich besser.

    Meine letzliche Entscheidung, wie ich persönlich und beruflich zu Joomla stehe, werde ich im April 2012 treffen. Da läuft der Support von 1.5 aus und dann ist die Frage: Joomla 1.8 oder etwas völlig anderes?

  7. Pawel on Mittwoch, 6. Juli 2011 um 09:41 Uhr

    Hallo, :)

    Ohne Frage ist Joomla 1.6 unter vielen Content Management Systemen mein Favorit. (arbeite in einer Internet-Media Agentur) Der Funktionsumfang, Einfachheit, Dynamik und die Möglichkeiten dieser Version reichen für mich mehr als voll aus. Gerade das Rechtesystem , Struktur, Flexibilität und Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung machen mich zufrieden. Ich finde das alles ehrlich gesagt mehr als gut. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Komponenten und Plugins. SO lässt sich mittlerweile so gut wie alles recht simpel umsetzen. Ich bin vor kurzem von J1.5 auf 1.6 umgestiegen und bin mit dem neuen CMS sehr zufrieden. Würde es auf jedem Fall ruhigen Herzens empfehlen. Ob Joomla 1.6 noch eine Daseinsberechtigung hat, steht bei mir persönlich völlig außer Frage. Die Frage würde ich ich eher bei z.B. TYPO3 stellen (aufgrund der komplizierten Bedienung, Spielerei mit Typoscript usw.)

    Grüße aus Paderborn

  8. Daniel on Donnerstag, 22. September 2011 um 22:23 Uhr

    Also der Kommentar von Pawel liest sich wie Propaganda der Joomla-Entwickler selbst. Oberfächlich im Inhalt aber alles ist superlativ gut.
    Ich selbst nutze Joomla schon sehr lang. Es ist sehr übersichtlich und auch für Kunden leicht zu bedienen. Bis auf Virtuemart, durch den es zu Hacks gekommen ist und mein Server zur Spamschleuder wurde, was aber schnell behoben werden konnte, ist Joomla und die hierfür massenhaft vorhandenen Komponenten sehr hilfreich. Allerdings konnte ich die wenigsten Komponenten oder Plugins in der angebotenen Form ohne teilweise schwierige Anpassungen in der Programmierung kaum nutzen, gerade weil sie alle eigenständig und nicht miteinander arbeiten.

    Ab Joomla 1.6 ist das Angebot von Komponenten derart schlecht, dass man hier nicht mal die Möglichkeit hat zu basteln. Die gängigsten Kundenwünsche können mit dem vorhanden Angebot nicht umgesetzt werden. Die Multisprachfunktion und die Rechteverwaltung ist derart schlecht umgesetzt, dass man hier einen erheblichen Aufwand betreiben muss, um die Funktionen tatsächlich zu nutzen. Hier hätte mir eher eine Umsetzung ähnlich dem Shopsystem Magento gefallen.

    Ich befürchte, dass das gute Joomla, was mir sehr am Herzen liegt, leider den Anschluss verpasst und von anderen CMS überholt wird bzw. bereits überholt wurde.

    Joomla 1.5 ist mein Favorit, aber was solls, man kann nicht stehen bleiben…

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