16. Juni 2011

Anzeigenauslieferung auf Bad-Sites

Geschrieben von Petra Hamacher . Eingeordnet unter Marketing | Keine Kommentare

Wissen Sie, wo Ihre Anzeige landet? (Quelle: Rainer Sturm/pixelio.de)

Warum und Wieso werden Anzeigen namenhafter Marken auf schlechten Seiten wie Raubkopiererseiten ausgeliefert? Was ist das für ein Phänomen? Ist das gewollt oder eine Panne? Hier sind einige Gedanken – unabhängig vom Werdegangs Kino.to – dazu.

Wie werden Anzeigen ausgeliefert?

Es gibt diverse Möglichkeiten Anzeigen zu schalten. Zum einen fragt man die Seiten selbst an (langatmig und aufwendig) und zum anderen, man bedient sich diverser anderer Unternehmen. Hier hat man die Wahl zwischen Affiliate Programmen, die eine Plattform für Publisher (Werbeplatz Anbieter) und Advertiser (Banner Anbieter) bieten und vermitteln. Diverse Abrechnungsmodelle bringen dann der einblendenden Seite ein wenig Geld, während die Banner natürlich Besucher locken sollen.

Ein weitere Alternative bietet Google mit dem Adsense Modell, mit dem sich Anzeigen und Banner auf andere Seiten schalten lassen. Hierzu weiter unten mehr. Erstmal eine kurze Zwischenfrage:

Auf welchen Seiten sollte meine Werbung eingeblendet werden?

Irrelevant welcher Inhalt, hauptsache Traffic – diese Behauptung könnte man aufstellen. Doch ich finde, diese Sichtweise ist gefährlich.

Aus Sicht des Publishers (Einblendende Seite) ist längst nicht jeder Banner willkommen: Konkurrenten so wie völlig am Thema vorbei sind beides Kriterien, die gut abgewägt werden wollen. Wer will schon seine Besucher an die Konkurrenz verlieren und welcher Leser hat schon Interesse, auf einer PC-Hardware Seite Baby-Zubehör zu finden? Kriterium eins bringt da vielleicht noch Geld, aber der Besucher ist weg von der eigenen Seite. Kriterium zwei bringt kein Geld.

Aus Sicht des Advertisers (Werbender) spielt hauptsächlich die Besucherzahl eine Rolle. Doch sollte man bemüht sein, dem Publisher möglichst entegegen zu kommen. Man will ja eingeblendet werden! Anzeigen, die passen – sollte hier die Devise heißen.
Doch will man eigentlich auf Teufel komm raus Besucher oder gibt es Tabu-Seiten? Einige namenhafte Marken kann man auch auf schlechten Seiten wie Raubkopiererseiten antreffen.

Warum erscheinen die Anzeigen auf Raubkopiererseiten?

Für dieses Phänomen gibt es mehrere Überlegungen und ist, meiner Meinung nach, stark abhänging von der Unternehmensphilosophie und dem Wissen der Werbetreibenden. Ich würde dies in zwei Fälle aufteilen und auch keinen davon alleinstehend in Betracht ziehen.

1. Fall – der schlechteste Fall: Das Unternehmen betreibt Adsense und hat folgende Unternehmensphilosophie

Dieser Fall ist vielleicht die Minderheit, aber es gibt sie dennoch: Ich nenne sie liebevoll “unwissende Intelligenzverweigerer”. Diese sitzen in jedem Unternehmen und leider hat eben diese Spezies auch eine gewisse Handlungsfreiheit. Das bedeutet, dass bei Auftrag “Werbung für das Unternehmen schalten” hemmungslos geschaltet wird, was das Zeug hält. Und weil der Intelligenzverweigerer gehört hat, dass Google toll ist, nutzt er AdSense.

Nur hat er leider nicht gewusst, dass man unter Adsense für einige Kampagnen nicht bis ins Detail bestimmen kann, wo die Anzeige geschaltet wird.

Hier kümmert sich vorher keiner um eine Bedarfs- und Image-Analyse. Ob die Kunden nun die Marke auf einschlägigen Seiten sehen könnte und dies vermutlich eben nicht sehen will, interessiert ebensowenig wie die Tatsache, dass Textilanbieter auf Raubkopiererseiten vielleicht keine Kunden werben können. Wir haben ja den Auftrag “Anzeigen schalten” erfüllt.

Sich keine Zeit zu nehmen, bedeutet, Geld zu verschwenden (Quelle:Kurt F. Domnik/pixelio.de)

Das mühevoll eingesparte, erbettelte Budget für das Marketing wird in diesem Fall einfach verpulvert.

2. Fall – der Egal-Fall: Das Unternehmen betreibt AdSense und / oder Affiliate und hat folgende  Unternehmensphilosophie

Ähnlich des Intelligenzverweigerers gibt es aber noch die Ignorierer. Hier ist man sich dem Unterschied zwischen Affiliate und Adsense zwar bewusst und weiß auch um die einzelnen Möglichkeiten; aber entweder ist kein Budget, keine Zeit oder kein Personal für die verantwortungsvolle Anzeigenbetreuung im Unternehmen zu finden. Also schaltet man einfach. Das was gut läuft, lässt man, was schlecht läuft, schaltet (mit Glück) irgendwann mal jemand ab.

3. Fall – der Analysefall: Das Unternehmen betreibt Affiliate und hat folgende Unternehmensphilosophie

Das namenhafte Unternehmen aus der Branche PC-Zubehör beispielsweise wägt gut ab, ob es das Risiko eingehen kann, auf schlechten Seiten Werbung zu schalten. Auch Raubkopierer brauchen Zubehör für ihren PC und da ist es dem Unternehmen egal, ob der PC dazu mit ihren Teilen ausgestattet ist, denn Geld ist nun mal Geld. Eine Tatsache, die viele leugnen würden! Selbst Google ist es häufig (erstmal) egal.

Wo bekommt man also die Käufer her, die vermutlich dieses Zubehör brauchen? Richtig, auf den einschlägigen Seiten wie eben diese Raubkopiererseiten. Mit dem richtigen Partner- oder Affiliate-Programm landen die Anzeigen dann genau da.

In diesem Fall gibt es tatsächlich jemanden im Unternehmen, der das Wort “Analyse” schon mal gehört hat. Hier wird genau abgewägt, ob das schlechte Image der Seiten auf das Unternehmen abfärben würde oder eben doch so viel Gewinn bringt, dass man einige wenige, die sich abgestoßen fühlen, verkraften kann. Getreu dem Motto: Wo sich wenige darüber aufregen, passiert schon nichts.

Fazit für Anzeigenschalter

Wer vorher ein wenig analysiert, wird später nicht sein blaues Wunder erleben!

Wo befinden sich meine Kunden?
Welchen Bedarf haben sie?
Welches Bild haben sie von meinem Unternehmen?
Könnte ich das gute Bild vielleicht schädigen?

Erst wer sich diesen Fragen stellt und umfassend recherchiert, kann Einnahmen und Gewinne verbuchen ohne letzten Endes eine Image-Kampagne finazieren zu müssen (aus den müsahm eingespielten Werbeeinnahmen).

Und noch ein Tipp: Achten Sie auf Ihr Image! Egal welche Strategie das Unternehmen auch fährt, die Kundenmeinung zum Unternehmen zu beobachten, ist Gold wert! Wenn das gute Image zu kippen droht, kann rechtzeitig eingeschritten werden.

Unsere Empfehlung: Ein gutes, eigenes Social Media Monitoring. Oder aber für Fall 1 und 2: Fragen Sie jemanden, der was davon versteht und sparen Sie unter Umständen eine Menge Geld.

Meinungen von anderen Fachleuten hat auch das iBusiness Magazin im entsprechenden Artikel zusammengetragen.

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