25. Januar 2011

Akte 20.11 warnt vor Online Shops mit Vorkasse

Geschrieben von Petra Hamacher . Eingeordnet unter Kurioses, Rezensionen | 2 Kommentare

Gerade läuft im Fernsehen das Magazin Akte 20.11. Wer dieses traditionsreiche Format nicht kennt: Wöchentlich moderiert Ulrich Meyer das Magazin, welches unter dem Motto “Reporter kämpfen für Sie!” vermeintlich live aktuelle Themen behandelt. Es geht um die Ungerechtigkeiten, die normalen Bürger wie Du und ich widerfahren, Abzocken, Betrug oder einfach nur Missstände. Reporter stellen mit Rechtsanwälten die Situationen nach und decken diese Ungerechtigkeiten auf.

Heutiges Thema Akte 20.11: Vorkasse als Abzock-Methode von Internet Shops.

Es geht um eine junge Frau, die über einen Online Shop ein Handy bestellte, per Vorkasse. Lieferzeit betrug drei Tage. Natürlich war dieses Handy auch nach über einer Woche nicht eingetroffen. Auf Nachfrage erklärte die Shopbetreiberin, dass es Lieferschwierigkeiten gäbe. Doch auch nach Monaten wird kein Handy geliefert. Die Reporter treffen die Shopbetreiberin an und fragen persönlich nach – keine weiteren Aussagen werden getroffen. Die letzte Hoffnung der Käuferin ist die Anzeige.

Natürlich gibt es Online Shops, die per Vorkasse Geld verlangen aber keine Ware verschicken. Dies möchte ich gar nicht bestreiten. Aus eben diesen Absichten, oder aber weil der Shopbetreiber schlicht weg überfordert ist, mit der betrieblichen Führung seines Shops. Akte 20.11 gibt mit Hilfe eines Rechtsanwaltes Tipps, auf die man vor dem Kauf achten soll. Drei Punkte werden schriftlich eingeblendet und vom Sprecher kurz vorgelesen (ein vierter Punkt folgt später):

  • ein vollständiges Impressum

  • einen Anruf vor der Bestellung liefert Gewissheit

  • Auf die Suche nach Bewertungen und Meinungen über diesen Shop in Foren oder ähnliches gehen

So weit so gut, was mich aber stört ist, dass die Online Shops wirklich zu schlecht wegkommen. Grund für meine Annahme: Die Akte 20.11 macht einen weiteren Test. In vier weiteren Online Shops, darunter ganz klar Amazon, werden Artikel unter Vorkasse bestellt. Zwei der Produkte werden der Redaktion von Akte 20.11 zugestellt. Zwei selbstverständlich nicht. Ratet ob die Bestellung bei Amazon erfolgreich war…?!

Ist ein solcher Test von Akte 20.11 überhaupt aussagekräftig?

Ein solches Format lebt selbstverständlich von der Sensationslust der Zuschauer und von den detailreichen Darstellungen der Betrugsfälle, aber ein Test mit vier Online Shops? Verbraucherfreundlich fände ich, wenn der Text etwas umfangreicher wäre oder zumindest noch explizit erklärt würde, worauf Käufer achten sollten. Anders als bei den anderen Tipps erklärt der Rechtsanwalt nur kurz:

  • Zertifizierungen wie Trusted Shops und andere Anbieter geben Sicherheit

Diesem Hinweis folgt kurz die Einblendung vier Siegel diverser Anbieter, die man allerdings leider nicht erkennen kann, wenn man sie nicht schon kennt. Sicherlich der wichtigste Verbraucherhinweis in aller Kürze abgehandelt.

Das war´s, mehr nicht!

Ich will keine Abzocker-Shops unterstützen, aber eine kleine Fahne für die Vorkasse hochhalten. Und vor allem Dingen möchte ich diese Pankimache vor den bösen bösen Online Shops vermeiden. Die Verkaufszahlen im Online Handel wachsen stetig, ein Glücksfall für die Wirtschaft. Und all die bestehenden Käufer können nicht alle aus der eCommerce Branche stammen, wie das oft gefällte Vorurteil darstellt. Es kann also nicht alles schlecht sein. Seit Jahren kaufe ich bei meinem Katzenfutteranbieter mein Katzenfutter auf Vorkasse, da kannte ich mich im eCommerce noch nicht mal aus. Und ich beispielsweise hatte nie Probleme.

Mein Fazit zur heutigen Akte 20.11 Sendung:

Vorsicht ist gut und Kontrolle sicherlich noch besser, aber nicht jeder Online Shop ist direkt ein Fall für Akte 20.11 und dessen Betrugsfälle! Und an alle Shopbetreiber: Achtet auf vertrauensbildende Maßnahmen für eure Kunden!

2 Kommentare zu “Akte 20.11 warnt vor Online Shops mit Vorkasse”

  1. Sebastian Feuster on Mittwoch, 26. Januar 2011 um 01:38 Uhr

    “•Zertifizierungen wie Trusted Shops und andere Anbieter geben Sicherheit”

    Blödsinnige Aussage, die so keinen Sinn macht.

    Zertifizierungen sind nur gut, wenn der Kunde sie auch kennt und zudem in der Lage ist zu prüfen, ob diese auch echt sind.

    Ich habe schon zig Betrügershops gesehen, die zwar auch diese lustigen Prüflogos eingeblendet hatten, aber natürlich ohne Link zu den jeweiligen Anbietern.
    Welchem “normalen Internetbesteller” fällt denn da auf, das etwas nicht stimmt?

    Aber das ist mal wieder typisch die Redaktion von Akte.
    Schlecht recherchiert und auf aufs TV getrimmt.
    2010 gab es schonmal solch eine Sendung, wo sicherlich einige Beschwerden bei denen eingingen.
    ( siehe http://www.sellerforum.de/small-talk-allgemeines-f1/akte-2010-mir-kommt-die-galle-hoch-t13622.html )
    Aber was interessiert die schon ein paar Händler…

  2. Bo Herre on Mittwoch, 26. Januar 2011 um 13:00 Uhr

    Also ich habe schon öfters per Vorkasse bezahlt und noch nie Probleme gehabt. Allein bei eBay ist dies ja bei den meisten Verkäufern, die PayPal nicht kennen oder nicht wollen, üblich per Vorkasse zu bezahlen. Da muss man sich auch immer drauf verlassen und auch dort gibt es natürlich schwarze Schafe.

    Aber um bei den Online-Shops zu bleiben: Vorkasse ist nach wie vor die unsicherste Art zu bezahlen, weil man ja nicht nur den Faktor des Verkäufers hat, sondern weil man sich auch bei der Überweisung vertippe/verschreiben kann…

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